München 2021
Neubau eines Einfamilienhauses
Was bewegt eine junge Familie, die komfortable, zentral gelegene Stadtwohnung aufzugeben und dem Leben in einem beschaulichen Viertel Münchens den Vorrang einzuräumen? Neben dem zusätzlichen Raumbedarf der heranwachsenden Kinder sind es die Vorzüge, die sich mit dem Bau eines privaten Hauses realisieren lassen. Allen voran natürlich der Garten, der als grüne Oase Abstand und Erholung von der alltäglichen Unruhe des Alltags verspricht. Mit dieser Ausgangslage unterstützten wir unsere Auftraggeber bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück. So verwundert es nicht, wenn der Gartenanlage annähernd so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wie dem Haus, dem ein nicht ausreichender Vorgängerbau weichen musste.
Der Neubau liegt von der Straße zurückversetzt in der rückwärtigen Grundstückshälfte, so dass sich die Wohnräume im Parterre zum südlich gelegenen Garten orientieren. Ein seitlicher Weg, wie die Terrassen mit recycelten Backsteinen befestigt, führt zum Eingang auf der Ostseite, der von einem kleinen Balkon überdacht ist. Empfangen wird man dort von einer geschreinerten Haustür aus Eichenholz. Sie wird von seitlich angebrachten Spalieren eingerahmt, mit denen sich das Grün des Gartens an der Hauswand fortsetzt.
Der quadratische Grundriss zeigt eine zentral gelegene Diele, um die sich die einzelnen Räume legen. Die offene Küche und das Wohn-Esszimmer erstrecken sich winkelförmig zur Süd- und Westseite. Neben den platzsparend arrangierten Nebenräumen, die eine praktische Haushaltsführung erleichtern, ist auf der unteren Ebene Platz für ein Gastzimmer. Die in der oberen Etage ebenfalls um eine Diele angeordneten Schlafräume und die beiden Bäder teilt sich die vierköpfige Familie. Zusätzlichen Stauraum bieten der über eine Auszugtreppe erreichbare Dachspeicher und das Untergeschoss, in dem ein weiteres Bad, ein Hobby- und ein Fitnessraum beherbergt sind. Die Grundrisse sind so geschnitten, dass die Räume bei Bedarf auch andere Nutzungsvarianten zulassen. Die großzügigen Deckenhöhen, die komplette Höhe einnehmende, geschreinerte Türen und Schränke sowie die soliden Böden aus Stein und Eiche bilden den zeitlosen Rahmen für die so individuell wie kontemporär gestaltete Einrichtung.
Ein Großteil des Familienlebens spielt sich nun erwartungsgemäß im Freien ab, wie ein überdachter Freisitz, zwei Schuppen für die Gartenarbeit und die eigens entworfene Schaukel belegen. Zusammen mit der Garage umgeben diese Elemente das Haus wie Satelliten und machen die Außenräume zu einer vielseitigen sowie zweckdienlichen Fortsetzung des inneren Raumgeflechts. Das so in den Garten eingebettete Haus zeigt sich von außen als schlichtes, hell verputztes Volumen mit regelmäßig gesetzten, weißen Holz-Sprossenfenstern und mintgrün lackierten Schlagläden. Es wird von einem Walmdach aus gebrannten Tonbibern bedeckt, hinter dem sich an oberster Stelle ein Flachdach verbirgt. Die Räume im Erdgeschoss verfügen über Rollläden aus lackiertem Kiefernholz in der Farbe der Schlagläden.
Der aus Sichtbeton gestaltete Eingangsbalkon mit seinem Pendant, einem gegenüberliegenden Erker, der gekämmte Sockelputz und der ausgerundet verputzte Dachüberstand bestimmen den einfachen, handwerklich geprägten Ausdruck bis ins Detail. Dabei kommen bevorzugt natürliche Materialien zur Anwendung, die gut altern und mit vertretbarem Aufwand dauerhaft zu unterhalten sind. So trägt der Massivbau aus Hochlochziegeln und betonierten Decken lediglich einen mineralischen Außenputz und kommt ohne zusätzlich aufgebrachte Wärmedämmung aus. Der Dachstuhl besteht aus Nadelholz und die Dachrinnen aus Kupfer. Auf dem nicht einsehbaren, flachen Teil des Daches wird Solarstrom erzeugt und darüber hinaus wird wo möglich auf zu viel Technik verzichtet.
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Interior Design Duo Antonius Schimmelbusch und den Garten- und Landschaftsarchitekten Koch+Koch realisiert. Die Bauherr:innen zeichneten sich durch Begeisterungsfähigkeit und Vertrauen aus. Mit der Familie bezogen auch zwei Katzen die neuen Räume, natürlich nicht ohne exklusiven Zugang.
Fotos: Christian Eblenkamp und Anne-Catherine Scoffoni